Wasserschildkröten

Nicht nur Landschildkröten sind begehrte Mitbewohner, sondern auch ihre schwimmfreudigen Artgenossen. Vor allem Gelbwangen- und Rotwangen-Schmuckschildkröten bewohnen europäischen Aquarien. Auch wenn man nicht sagen kann, dass jede Wasserschildkröte dieselbe Haltung benötigt, gibt es doch ein paar Gemeinsamkeiten oder gemeinsame Ansatzpunkte, die du über sie wissen solltest, bevor du dich zum Züchter aufmachst.

Arten

Bei den Wasserschildkröten gibt es verschiedene Arten, auch wenn sie für uns – und nicht selten auch für die Zoohandlung – fast alle gleich aussehen. Nur wer weiß, zu welcher Art seine Wasserschildkröte gehört, kann ihr ein naturnahes Leben ermöglichen. Fragen, die sich mit der Artbestimmung beantworten lassen, sind zum Beispiel:

  • Welche Umgebungstemperatur ist meine Wasserschildkröte gewöhnt?
  • Welche Fresspflanzen und Futtertiere kann ich ihr anbieten?
  • Kann meine Wasserschildkröte gut schwimmen?
  • Wie viel Landanteil braucht sie und wie sollte ich ihn ausstatten?
  • Wie groß wird meine Wasserschildkröte?

Der erste, der vorletzte und der letzte Punkt sind besonders wichtig im Hinblick auf die Gestaltung des Aquariums oder Aquaterrariums. Wie sollte das neue Zuhause geschaffen sein, damit die Haltung so artgerecht wie möglich ist?

Bedenke dabei, dass Wasserschildkröten keine Fische sind. Sie können zwar im Wasser schwimmen und brauchen das auch, um sich wohlzufühlen. Aber zum Luftholen, Sonnen, Ausruhen und für die Eiablage müssen sie an Land. Mehr dazu findest du auf dieser Seite unter „Wasserschildkröten sind keine Fische“.

Im Magazin findest du bereits einige Arten vorgestellt:

Alleinfutter für Wasserschildkröten gibt es nicht

Zoohandlungen bieten zum Kauf einer Wasserschildkröte gern auch gleich das Fertigfutter an. Unglücklicherweise ist dieses allgemeine Futter „für Wasserschildkröten und Fische geeignet“, was bedeutet, dass es einen hohen Proteinanteil besitzt. Proteine sind für Fische wichtig, nicht aber für die Wasserschildkröte. Ein zu hoher Eiweißanteil kann den Organismus der Schildkröte schädigen. Ebenso solltest du darauf achten, dass auch der Fettanteil gering bleibt. Proteine und Fette sind wichtig, wenn du ein Tier aufpäppeln möchtest, doch bei einer gesunden Wasserschildkröte, die keine Kilometer in ihrer Behausung zurücklegt, reicht ein kleinerer Anteil aus.

Füttere deine Tiere stattdessen mit dem, was sie auch in der Natur finden würden: Schnecken, Würmer, Insekten, Larven, Krebse und dergleichen mehr. Ab und zu darf es dann auch mal ein Leckerli wie das Alleinfutter sein. Wildkräuter sind auch nach ihrem Geschmack.

Wie groß werden Wasserschildkröten?

Kaufst du dir eine Wasserschildkröte, bekommst du vom Züchter oder vom Zoohandel ein Jungtier. Diese Winzlinge sind hübsch anzuschauen und brauchen erst einmal wenig Platz im Aquarium oder Aquaterrarium. Doch sind sie ausgewachsen, ist es durchaus möglich, dass sie je nach Art Teile ihrer Farbenpracht einbüßen oder diese sogar zur Gänze verlieren. Außerdem werden sie natürlich auch größer. Besonders bei den Schmuckschildkröten fühlen sich die Besitzer oftmals hinsichtlich der Größe überfordert. Denn ausgewachsene Weibchen können bis zu 30 cm Panzerlänge erreichen.

Trachemys Scripta am Wasser

Trachemys Scripta am Wasser

Wie groß sollte das Becken sein?

Eine Behausung für eine Wasserschildkröte sollte etwa folgende Maße aufweisen:

  • 3 Mal so lang wie die Panzerlänge
  • 2 Mal so breit wie die Panzerlänge

Hinweis: Mehr ist mehr! Je mehr Bewegungsfreiheiten du deiner Wasserschildkröte lässt, umso naturnaher wirst du sie erleben.

Tipp: Hole dir am besten gleich ein Aquaterrarium, das Platz für eine ausgewachsene Wasserschildkröte bietet. Zum einen musst du deine Schildkröte dann nicht umgewöhnen. Sie wird sich zum Erwachsenenstadium hin nie eingeengt fühlen. Das Wasser bleibt länger sauber, denn ein kleineres Aquarium verdreckt schneller als ein größeres. Zum anderen kannst du ihre Behausung artgerecht einrichten. Immerhin benötigt sie:

  • einen Wasserbereich (etwa 2 Mal so tief wie die Panzerlänge)
  • Sonnenplatz (mit Wärmelampe und UV-Strahlung)
  • Futterplatz
  • Buddelplatz / Eiablageplatz (feuchte Erde)
Skizze eines Aquariums für Wasserschildkröten

Skizze eines Aquariums für Wasserschildkröten

Wasserschildkröten sind generell Einzeltiere. Untereinander gibt es Dominanzverhalten und Stress. Doch auch eine einzeln gehaltene Wasserschildkrötendame, die nie einen männlichen Artgenossen gesehen hat, kann Eier legen. Diese werden unbefruchtet ausgetragen, doch die Eiablage verläuft genauso wie bei der Erwartung von Schlüpflingen.

Das Weibchen sucht sich einen Eiablageplatz, buddelt ein Loch und legt die Eier ab. Dann schaufelt sie das Loch wieder zu und zieht ihres Weges. Hat deine Wasserschildkröte das Bedürfnis, Eier abzulegen, wird sie dies erst tun, wenn sie einen geeigneten Platz weiß:

  • trocken, sandig, gut zum Graben, tief genug
  • nicht zu dicht am Wasser
Wasserschildkröte bei der Eiablage

Wasserschildkröte bei der Eiablage

Ein steinharter oder ein zu weicher Boden wird sie nicht zum ermutigen. Direkt am Wasser wird sie die Eier auch nicht ablegen, denn in der Natur bestünde die Gefahr einer Überschwemmung des Eiablageplatzes. Folglich könnte sich solch eine Notsituation zu einer Legenot entwickeln, an der Schildkröten sterben können. Das kann jedem Eier legenden Tier passieren, auch Wasserschildkröten und Landschildkröten.

Kannst du ihr ein Eiablage- und Buddelplatz neben den anderen obligatorischen Einrichtungen ebenso bieten, hast du ein schönes Zuhause für sie.

Alle Schildkröten brauchen Wärme

Schildkröten sind wechselwarme Tiere und benötigen Wärme, um aktiv zu sein. Wechselwarme Tiere passen sich der Umgebungstemperatur an. Je kühler es wird, umso kühler wird ihre Körpertemperatur und der Stoffwechsel wird reduziert. Bei der Winterstarre wird diese Reaktion auf Kälte besonders deutlich. Die Herzschläge werden bis auf ein Minimum verlangsamt, fast alle lebenserhaltenden Maßnahmen werden zurückgefahren, díe Nahrungsaufnahme wird ganz eingestellt und die Schildkröte erstarrt in sich.

Damit es Wasserschildkröten so richtig gut geht, benötigen sie eine Außentemperatur von mehr als 30°C . Du wirst sehen, wie agil deine Wasserschildkröte bei diesen Temperaturen sein wird. Auf dem Sonnenplatz dürfen es je nach Art auch 45°C sein. Doch bedenke: So wie es die Winterstarre gibt, gibt es auch die Wärmestarre. Verfällt deine Wasserschildkröte bei einem Zuviel an Wärme in einen starren Zustand, musst du umgehend einen schildkrötenkundigen Tierarzt konsultieren.

Zu viel unnatürliche Wärme wird sich auch auf ihre Entwicklung auswirken. Je wärmer es ist, umso schneller wächst die Schildkröte, was zu einer Verformung des Panzers führen kann.

Wichtig ist, dass die Wasser- und auch die Landschildkröten selbst entscheiden können, wie viel Wärme sie benötigen und wann sie einem Zuviel ausweichen. Stell daher immer genügend Ausweichmöglichkeiten bereit. Bei Landschildkröten sollte das Frühbeet viele Versteck- und Buddelmöglichkeiten bieten. Bei Wasserschildkröten solltest du genug Erde bereitstellen, damit sie sich einbuddeln können, und Pflanzen, die sie ein wenig abkühlen, wenn sie sich unter ihnen verstecken möchte.

Tipp: Informiere dich über die Umgebungstemperatur bei Wasserschildkröten aus ihrer Heimat und richte dich danach. Für diese Aufgabe musst du genau wissen, welche Schildkrötenart du bei dir beherbergst.

Wasserschildkröten sind keine Fische

In den Zoohandlungen werden für viel und wenig Geld Sets für Aquarien angeboten. Ein Set besteht zumeist aus einer Abdeckung und Lichtröhren. Mit ihnen schaffst du ein stets und ständig feucht-warmes Klima in dem Behältnis. Für Fische, die sich ihr Leben lang im Wasser aufhalten, ist dies optimal. Eine Wasserschildkröte jedoch muss sich abtrocknen können. Kommt sie an Land, braucht sie ihren Sonnenplatz, um ihren Panzer und ihre Haut zu trocknen und um sich zu wärmen. Ein feuchter Panzer ist ein Garant für Pilz- und Algenansammlungen, was die Gefahr für Krankheiten enorm erhöht. Das Klima in einem abgedeckten Becken dieser Art kann zudem die Lunge der Wasserschildkröte schädigen und im schlimmsten Fall zur Lungenentzündung führen.

Die Leuchten sind selten als UV-Beleuchtung ausgestattet. UV-Strahlung aber benötigt die Schildkröte für ihre Verdauung und die Erzeugung von Vitaminen.

Wasserschildkröte beim natürlichen Sonnenbad

Wasserschildkröte beim natürlichen Sonnenbad

Aus diesem und anderen Gründen sind die Sets nur bedingt nutzbar. Empfehlenswert wäre stattdessen ein Aquarium mit Gitter und eine darin installierte UV-Lampe wie zum Beispiel diese HQL-Lampe. Das Gitter verhindert Ausbrüche, denn Schildkröten sind gute Kletterer. Außerdem kann ihnen so ein Gitter zugleich unliebsame Besucher wie Hunde und Katzen vom Leib halten.

Eine Wasserschildkröte kann bei artgerechter Haltung bis zu 60 Jahre und mehr erreichen. Sie kann dich also ein Leben lang begleiten, wenn du sie entsprechend pflegst.

Bildrechte
Zeichnung: Vladimir Zadvinskii, shutterstock.com
Trachemys Scripta beim trinken: underworld, shutterstock.com
Schildkröte beim Sonnenbad: Alfonso de Tomas, shutterstock.com
Wasserschildkröte am Eiablageplatz: Elliotte Rusty Harold, shutterstock.com