Preise für Landschildkröten fallen

Dem Tierschützer, der Auffangstation und einem jeden Tierheims schmerzt es sehr. Die Preise für Landschildkröten fallen immer weiter und ein Ende ist nicht in Sicht. Vor einem Jahr etwa kostete die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) als frisch geschlüpftes Tier, nach der ersten Winterstarre – also mit ca. 9 bis 10 Monaten – noch 75,- bis 85,- Euro. Dieses Jahr bekommt man die Tiere online bereits für nur 40,- bis 50,- Euro zu kaufen.

Mich ärgert dieser Verfall. Die Tiere werden dadurch vermehrt aus Neugierde gekauft, statt aus ernsthaftem Interesse und vorheriger Aneignung von Hintergrundwissen durch Fachliteratur etc. Ich habe aus Spaß einige Anzeigen online gestellt und Griechische Landschildkröten zu Preisen von 90, 105 und 120 Euro angeboten. Die Anzeigen sind nur ein Test und es gibt keine Tiere. Schmerzlich musste ich feststellen, nach über einer Woche bei keiner dieser Anzeigen eine Anfrage bekommen zu haben. Meine vermeintlich erwerbbaren Tiere sind schlichtweg zu teuer.

Um meine Anzeigen herum finde ich lauter Angebote von 40 bis 80 Euro. Wo die 80 Euro im Verhältnis noch als „akzeptabel“ angesehen werden könnten, sind Preise von 40 bis 50 Euro ein echter Witz und auch für jede Tierhandlung ein Schnäppchen. Immer mehr Landschildkröten werden vermutlich als Hobby gezüchtet weil die Leute das schnelle Geld sehen. Wenn man sie für solch niedrige Preise verkauft, bekommt man große Mengen tatsächlich schnell los. Aber auf wessen Kosten?

Wo landen viele Tiere?

Viele billig erhältliche Schildkröten werden von Tierhandlungen und anderen Händlern gekauft. Sogar der Kauf der Tiere durch andere Züchter in größeren Mengen, die sie dann für einige Euro mehr erneut weiterverkaufen ist eine stattfindende Situation.

Uns Halter die ihre Tiere pflegen, artgerecht halten und alles für ein gutes Leben tun, blutet bei solchen Dingen das Herz. Schlimm ist aber auch der meist kurze Verbleib der Tiere beim Käufer. Viele Schildkröten werden einfach übereilig gekauft weil sie nicht viel kosten. Man merkt erst später wie viel Pflege die Tiere brauchen. Oder man stellt fest, dass man sie nicht knuddeln kann. Eventuell ziehen sie auch immer den Kopf ein und sind scheu. Alles das muss man einkalkulieren. Wer das Tier aber zur eigenen Freude kaufte und „spielen“ will, der wird bald erwachen und das Tier wieder verkaufen. Stress!

Preise aus Tierhandlungen

Vergleicht man die Preise online mit denen in Tierhandlungen, muss man wenigstens hier dem Handel danken. Denn Landschildkröten werden in Zoogeschäften noch immer zu realistischen Preisen von ab 140 Euro pro Jungtier verkauft. Erwachsene Tiere sind nochmal deutlich teurer, aber die sind auch online meistens teurer, vor allem weibliche adulte Tiere. Wenn ich den Kauf von Schildkröten in Tierhandlungen auch nicht befürworte, so bin ich dennoch froh, dass die Preise dort so hoch sind. Die Leute kaufen die Tiere ja trotzdem.

Fazit

Ich glaube, ich wollte einfach nur mal meinen Frust über die Preise freilassen. Ich verkaufe keine Schildkröten, bin also von geringeren Einnahmen nicht betroffen. Ich kaufe auch nicht ständig neue Tiere und profitiere von niedrigen Preisen. Nein, ich mache mir einzig und allein meine Gedanken wohin das führt. Wenn die Preise weiter fallen – und das werden sie – dann werden alle populären Landschildkröten schon bald für 15 Euro im Netz in sämtlichen Kleinanzeigen zu kaufen sein. Schon jetzt bekommt man nahezu jede Art (Panther, Griechen, Vierzehen, Mauren, Sporn… usw.) für ab 50 Euro.

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Soeren
About
Ich halte verschiedene Landschildkröten und pflege zwischenzeitlich auch Schildkröten anderer Halter über die Urlaubszeit. Meine Haltung beschränkt sich auf Griechische Landschildkröten und Pantherschildkröten. Auf schildkroete.net berichte ich darüber.

3 comments

  1. Hallo,
    toller Beitrag. Ich überlege schon eine ganze Weile ob ich mir Schildkröten zulegen soll. Ich finde diese Tiere einfach faszinierend!
    Nur ich werde mit kein Tier kaufen, wenn ich es nicht einigermaßen Artgerecht halten kann…
    Leider denke sehr viele nicht so artgerecht 
    Viele werden den niedrigen Preis sehen und denken nicht an Folgekosten und setzen die Tiere dann aus .. oder schlimmeres
    Gruß
    D

  2. Ein schöner und dennoch trauriger Beitrag.
    Ich finde es nicht gut, dass die Preise fallen. Wie bei den Wasserschildkröten führt es dazu, dass spontan “einfach so” eine gekauft wird statt sich vorher genügend zu informieren. Ich verkaufe meine NZ weiterhin für 80 Euro. Und wenn sie keiner für den Preis haben möchte, bleiben sie bei mir und weitere Eier werden nicht in den Inkubator überführt.

  3. Ich persönlich finde es sehr abstrakt, dass die Tiere größtenteils auf der Washingtoner Artenschutzliste als aussterbende Gattung geführt werden und bei uns zu Schleuderpreisen vermehrt und verkauft werden. Ich würde gerne an einem Auswilderungsprogramm arbeiten um die Landschildkröten wieder anzusiedeln, wo sie ursprünglich her kommen. Dazu sollte man die Züchter bitten aus den Schlüpfen einen Teil für dieses Programm abzugeben. Dadurch würde die Überproduktion zurückgehen und der Preis wieder stabiler werden. Alleine ist dies aber nicht zu bewerkstelligen. Ferner müsste dies über ein Amt verabschiedet werden um eine rechtliche Grundlage zu haben. Gerne würde ich dazu Anregungen von Euch lesen. LG

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