Maurische Landschildkröte

Die Maurische Landschildkröte ist ein kleiner bis mittelgroßer Vertreter seiner Art. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nordafrika über den östlichen Mittelmeerraum bis zum Balkan und nach Asien. Einzelne Populationen gibt es auch in Südspanien und auf den Balearen. Insgesamt werden nach neuesten Erkenntnissen bis zu 10 Unterarten unterschieden. Die größten ausgewachsenen Exemplare erreichen ein Gewicht über 5 Kilogramm und bringen es auf eine Panzerlänge ( Stockmaß ) von bis zu 35 Zentimetern. In vielen ihrer Heimatländer ist die Maurische Landschildkröte in ihrer Art bedroht und nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt.

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Im Video sind zwar Griechische Landschildkröten, aber du bekommst aufgrund ihrer Ähnlichkeit dennoch einen kleinen Eindruck aus dem Leben einer Maurischen Landschildkröte.

Beschreibung – Die äusseren Merkmale

Die ausgewachsene Maurische Landschildkröte besitzt einen hohen, glatt gewölbten Rückenpanzer. Der Nackenschild ist schmal und langgezogen. Die Wirbelschilde haben die Form eines Trapezes und verbreitern sich nach unten. Der Schwanzschild ist fast immer ungeteilt. Bedingt durch das riesige Verbreitungsgebiet und der damit verbundenen Adaption an unterschiedliche Lebensräume variiert die Grundfärbung des Rückenpanzers sehr stark. Das Spektrum reicht von hellbraun über oliv und sandgelb bis hin zu einer hellgrauen Färbung. Die Hornschilde sind schwarz bis dunkelbraun abgesetzt. Mit zunehmendem Alter wirkt die Färbung verwaschen. Der Bauchpanzer ist meist dunkel gefärbt und im vorderen Bereich deutlich verdickt. Am Ende befindet sich ein leicht bewegliches Scharnier.

Die Vorderbeine der Maurischen Landschildkröte sind mit großen Hornschuppen und fünf Krallen versehen. Typisch für die kräftigen Hinterbeine sind die seitlich neben dem Schwanz liegenden Hornwarzen. Die Hinterbeine verfügen über jeweils vier Krallen. Der kurze Schwanz besitzt keinen Hornendnagel. Dies ist gleichzeitig das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zur Art der Griechischen Landschildkröte. Die Unterscheidung der Geschlechter lässt sich anhand der Größe der Tiere und der unterschiedlichen Schwanzgröße ermitteln. Weibliche Schildkröten sind oft erheblich größer als ihre männlichen Artgenossen und besitzen einen kürzeren Schwanz.

Die Reptilien haben in ihrer natürlichen Umgebung eine Lebenserwartung von 60 – 80 Jahren. Es leben auch Tiere, die weit über 100 Jahre alt sind.

Die Unterarten

So vielfältig wie der bewohnte Lebensraum mit unterschiedlichen klimatischen Einflüssen, ist auch die Kategorisierung der einzelnen Unterarten. Basierend auf genetischen Untersuchungen werden heute etwa 10 Unterarten beschrieben, deren Einteilung sich nach dem Lebensraum in östliche und westliche Arten aufteilt. Alle Arten unterscheiden sich in Größe und Gewicht, in der Färbung der Panzerung und in der Aufwölbung der Randschilde. Der Verbreitungsraum der östlichen Arten erstreckt sich von Vorderasien über Südosteuropa bis auf die arabische Halbinsel. Die westlichen Arten bewohnen Nordafrika bis zur iberischen Halbinsel.

Der Lebensraum

Das riesige Verbreitungsgebiet der Maurischen Landschildkröte hat dazu geführt, dass die Art sich an verschiedenste Lebensräume und Klimabedingungen angepasst hat. Ihre Heimat sind trockene Halbwüsten im Norden des afrikanischen Kontinents, mildes, mediterranes Klima in Griechenland und der Türkei sowie heiße und trockene Sommer mit kalten Wintern in den Steppen Asiens. Die Schildkröte bewohnt sandige Halbwüsten, lichte Wälder, Graslandschaften und ist am Rand von sumpfigen Feuchtgebieten zu finden.

Verhaltensweisen

Die Maurische Landschildkröte gehört zur Klasse der Reptilien und ist, wie alle Vertreter dieser Klasse, wechselwarm. Die Körpertemperatur wird maßgeblich von der Umgebungstemperatur bestimmt und die Verhaltensweisen sind entsprechend angepasst. Bei großer Hitze sind die Tiere gezwungen, schattige Plätze aufzusuchen. Steigt die Temperatur nahe 40 Grad vergraben sie sich im Boden oder suchen kühle Felsspalten auf, um einer Überhitzung des Körpers zu entgehen. Die Schildkröten sind tagaktiv. In den warmen Sommermonaten beschränken sich aus diesem Grund die Aktivitäten auf die frühen Morgen- und die späten Abendstunden. In sehr heißen Steppen- und Wüstengebieten werden die Aktivitäten teilweise ganz eingestellt und die Schildkröte fällt in einen Sommerschlaf. Für einen funktionierenden Stoffwechsel sind für einige Stunden am Tag Körpertemperaturen von über 30 Grad erforderlich, die durch ausgiebige Sonnenbäder erreicht werden. Fällt die Umgebungstemperatur unter 8 Grad, kann die Landschildkröte den Stoffwechselkreislauf nicht mehr aufrecht erhalten und fällt in eine Winterstarre. In kälteren Regionen verbringt sie deshalb den Winter eingegraben ohne Aktivitäten.

Ernährung

Die Maurische Landschildkröte ist ein Pflanzenfresser und die Nahrung hängt von der Vegetation in dem entsprechenden Lebensraum ab. Bevorzugt werden bei großem Nahrungsangebot Gräser, Blütenpflanzen und Klee. Insbesondere Früchte mit Samen, Knospen und junge Triebe sowie Blüten sind Hauptnahrungsmittel. In trockenen Lebensräumen besteht die Nahrung auch aus minderwertigen Pflanzenteilen und bei Nahrungsmangel in Ausnahmefällen aus Insekten und wirbellosen Tieren.

Fortpflanzung

Nach dem Erwachen aus der Winterstarre beginnt die Paarungszeit zwischen Februar und Mai. Unter den männlichen Artgenossen kann es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Gunst der Weibchen kommen. Ist der Nebenbuhler vertrieben, beginnt das Paarungsritual. Die Weibchen werden in die Gliedmaßen gebissen und mit dem Panzer gerammt, um sie zum Stehenbleiben zu bewegen. Ist dies geschehen wird der Paarungsakt vollzogen. Das Männchen stößt dabei arttypische piepsende Laute aus.

Im Frühjahr findet die Eiablage statt. Bis zu drei Gelege werden abgesetzt. Die Weibchen wenden im Vorfeld viel Zeit für die Auswahl des optimalen Ablageplatzes aus. Pro Gelege werden im Schnitt 5 – 8 Eier abgelegt. Dazu wird vom Weibchen eine etwa 10 Zentimeter tiefe Grube ausgehoben, in die die Eier platziert werden. Danach wird die Grube sorgfältig verschlossen. Es findet keine weitere Brutpflege statt. Die Inkubationszeit variiert zwischen 60 und 100 Tagen. Im Spätsommer schlüpfen die ersten Jungtiere, deren Färbung der Rückenpanzers deutlich kontrastreicher ist als bei erwachsenen Tieren. Offensichtlich spielt die Bruttemperatur eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung des Geschlechts der Schildkröten. Es gibt Anzeichen, dass eine durchschnittliche Temperatur von über 30 Grad während des Brutvorgangs vorwiegend weibliche Tiere hervorbringt.

Gefährdung der Art

Die Maurische Landschildkröte ist in ihrer Art in den Ursprungsländern bedroht. Nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen von 1976 dürfen die Tiere offiziell nicht ohne Papiere in die EU importiert werden. In vielen Ländern, insbesondere in Nordafrika, werden die Schildkröten, oder Panzer von ihnen, auf Märkten zum Kauf angeboten. Wer versucht, diese Tiere illegal einzuführen, macht sich strafbar. Innerhalb der EU gibt es bestimmte Beschränkungen für den Handel mit den Schildkröten. Es besteht eine Nachweispflicht gegenüber den Behörden, dass die Tiere rechtmäßig erworben wurden. Anzeigenpflicht besteht auch für den Verkauf, Schenkung, Tausch, Nachzucht oder den Tod einer Schildkröte.

Die natürlichen Feinde der Maurischen Landschildkröte in ihrem Lebensraum sind vor allem kleinere Raubtiere wie Füchse, Marder oder streunende Hunde. Aber auch Greif- und Rabenvögel sind eine Bedrohung für die Reptilien. Wie bei allen Schildkrötenarten sind die Gelege am stärksten gefährdet. Nicht selten werden die Nester von Ratten, Schlangen, Vögel und Wildschweine geplündert.

Zucht

Idealerweise erfolgt die Haltung der Maurischen Landschildkröte paarweise oder in der Gruppe. Während der Paarungszeit sollte darauf geachtet werden, dass deutlich mehr Weibchen in der Gruppe gehalten werden als Männchen, da diese in dieser Zeit ein recht aggressives Verhalten zu ihren Artgenossen entwickeln können. Nachdem die Paarung vollzogen wurde, suchen die weiblichen Tiere nach einigen Wochen einen warmen, sonnigen Ort aus, an dem die Eiablage erfolgt. Die Grube wird ausgehoben und 5-8 Eier abgelegt. Im Abstand von 2-3 Wochen wiederholt sich der Vorgang, so dass 3-4 Gelege entstehen. Die Weibchen reagieren während der Eiablage sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen. Deshalb müssen diese in unseren Breiten mit Hilfsmitteln, wie einer Wärmelampe, ausgeglichen werden. Nach der Ablage können die Eier vorsichtig entnommen und im Brutkasten deponiert werden. Dabei sollten sie in ihrer Lage möglichst nicht verändert werden. Etwa 65-90 Tage nach der Ablage schlüpfen die ersten Jungtiere. Die Fütterung erfolgt mit den gleichen Nahrungsmitteln wie bei erwachsenen Tieren.

Haltung

Die artgerechte Haltung der Maurischen Landschildkröte erfolgt im Sommer im Freilandgehege. Es sollte sich an einem sonnigen Platz befinden, weil die Tiere die wärmenden Sonnenstrahlen unter anderem für eine funktionierende Verdauung benötigen. Selbstverständlich muss eine Wasserstelle vorhanden sein und Versteckmöglichkeiten wie Wurzeln oder Büsche müssen geschaffen werden. Als Bodensubstrat eignet sich Pinienerde oder Torf vermischt mit Sand. Kleine Wiesenstücke mit einigen Kräutern sind gleichzeitig eine Nahrungsquelle für die Schildkröten. In ihrem natürlichen Lebensraum überwintert die Maurische Landschildkröte in der Winterstarre. Es sollten im Gehege Möglichkeiten geschaffen werden, dass auch in dem hiesigen kälteren Klima die Schildkröte sich eingraben kann und so den Winter überdauert. Frostfreiheit des Bodens sollte dabei gegeben sein.

Als Nahrung dienen alle wildwachsenden Kräuter sowie Klee, Löwenzahn, Hibiskus und alle blühenden Gewächse vom Stiefmütterchen bis zur Lilie. Keinesfalls dürfen tierische Produkte, Nudeln oder Teigwaren gefüttert werden. Diese schädigen den Verdauungsapparat der Tiere und können lebensbedrohlich sein. Obst sollte eine absolute Ausnahme auf dem Speiseplan bilden. Bei einer ausreichenden Versorgung mit natürlichen Nahrungsmitteln kann auf Zugaben von Vitaminen verzichtet werden.

Die artgerechte Haltung dieser Schildkrötenart setzt ausreichende Platzverhältnisse voraus. Das Freilandgehege sollte mit einer ca. 40 Zentimeter hohen Umrandung umgeben sein. Jungtiere müssen zusätzlich vor kleineren Raubtieren wie Marder oder Fuchs und vor größeren Vögeln geschützt werden. Dies geschieht am einfachsten mit einer Maschendrahtabdeckung über dem Gehege. Zur Haltung eignen sich besonders die Vertreter der östlichen Unterarten. Die Anforderungen für die afrikanischen Arten sind in Bezug auf Wärme sowie Stress- und Krankheitsanfälligkeit ungleich höher. Die Maurische Landschildkröte ist eine der am häufigsten gehaltenen Landschildkrötenarten.

Autor: Herr Thomas Wangenheim

Hast du Fragen zur Maurischen Landschildkröte? Stell sie unten in den Kommentaren und wir beantworten dir deine Fragen gerne.

4 Kommentare

  1. Heide Kottmann

    Müssen maurische Landschildkröten, afrikanische Art eine Winterstarre halten?

  2. Sidonia Klainguti

    Guten Tag,
    wie kann man das Alter einer maurischen Landschildkröte bestimmen?
    Danke im voraus für die Antwort und beste Grüsse,
    S.K.

  3. kann man 2 ausgewachsene Maurische männliche SK zusammen halten ? (frei im Grundstück ca. 80m²)

    • Hi,

      ob zwei Schildkröten zusammenpassen, kann man nur ausprobieren. Allerdings ist bei der Maurischen Landschildkröte schon zu befürchten das es nicht funktioniert. Erfahrungsgemäß zeigen sich die männlichen Tiere dieser Art besonders ungestüm. Bei 80 qm Grundfläche ist genug Platz um sich aus dem Weg zu gehen. Sollte das nicht funktionieren, müssten die Tiere trotzdem getrennt werden bzw. das Grundstück in zwei Freigehege unterteilt werden.

      Beste Grüße
      Soeren

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