Schwache Landschildkröte ruht sich aus
Gesundheit

Lungenentzündung und Erkältung bei Schildkröten

Auch Schildkröten können einen Schnupfen bekommen. Die wechselwarmen Tiere lieben es warm und feucht. Kälte ist für sie nicht nur unangenehm, sondern kann auch schnell ihr Immunsystem durcheinander bringen, sodass Krankheitserreger eine gute Chance haben, sich breit zu machen. Damit das nicht passiert und was du im Ernstfall beachten solltest, erfährst du hier.

Erkältung bei Schildkröten erkennen

Schleim oder Bläschen vor der Nase, gepaart mit Appetitlosigkeit und Maulatmung sind Zeichen für eine Erkältung bei Schildkröten. Bei einer Lungenentzündung kommt hinzu, dass bei schwerer Atmung die Vorderbeinchen mitbewegt werden und somit eine Art Pumpen entsteht.

Eine Erkrankung der Atemwege ist bei Schildkröten nicht selten. Ein Blick auf den Körperbau zeigt deutlich den Grund: Die Lunge, dicht platziert unter dem Carapax, ist das größte Organ. In den vielen Lungenfächern haben es Bakterien und Viren leicht, sich einzunisten und zu vermehren.

Da Schildkröten nicht miauen oder winseln, machen sie kaum auf sich aufmerksam. Wenn sie erkältet sind und die typischen Symptome noch nicht auftreten, ist es an dir als Schildkrötenbesitzer, Krankheiten zu erkennen. Schnell kann eine schleichende Erkältung zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen, was für die Schildkröte nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch tödlich enden kann.

Nicht jeder Schnupfen ist ein Anzeichen für eine Erkältung. Wenn deine Schildkröte lange auf staubigem Boden oder im Haus auf Teppich umher gelaufen ist, können Staubkörner die Nase deines Schützlings gereizt haben. Auch wenn sie zu tief ins Badewasser abgetaucht ist, können Anzeichen auftreten, die man als Schnupfen wahrnimmt. In beiden Fällen sollte ein Besuch im Frühbeet oder im Freigehege den vermeintlichen Schnupfen vertreiben. Auf einem feuchtwarmen Untergrund vergehen die Symptome schnell wieder.

Doch wenn sich nach einem Tag die Symptome nicht verabschiedet haben, dann ist von einer Krankheit und sehr wahrscheinlich von einer Erkältung auszugehen.

Wie kann Erkältung verhindert werden?

In den meisten Fällen tritt eine Erkältung tatsächlich dann auf, wenn es der Schildkröte zu kalt ist:

  • sie ist gerade aus der Winterstarre in einen kühlen Frühling erwacht
  • sie leidet unter Zugluft im Terrarium oder im Frühbeet
  • im Freigehege herrschen langanhaltende kühle Temperaturen

Eine Schildkröte mag es warm. Zwischen 25°C und 30°C sollte ihre Behausung daher aufweisen. Wenn du befürchtest, dass das Frühbeet, das Terrarium oder das Freigehege diese Temperaturen nicht aufbringen, schaffe mit einer Wärmelampe oder einem Heizstrahler Abhilfe.

Pflege und Hygiene sind besonders wichtig, wenn du deine Schildkröte in einem Gehege unterbringst. Sammle regelmäßig den Kot ein und wechsele mindestens einmal am Tag das Badewasser und die Tränke. Die Ausscheidungen einer Schildkröte, wie auch bei jedem anderen Tier, enthalten Körpergifte und Krankheitserreger. In der freien Natur kommt die Schildkröte aufgrund ihrer Wanderschaft selten mit ihren eigenen Ausscheidungen in Berührung. In einem Terrarium, Gehege oder einem Frühbeet jedoch trifft sie auf ihren Runden immer wieder auf sie.

Hat deine Schildkröte bereits Schnupfen oder ist geschwächt, trockne sie nach dem Baden ordentlich ab und setze sie in ein warmes, trockenes, mit feuchter Erde besetztes Territorium. Denn auch eine nasse Schildkröte kann sich leicht eine Erkältung holen. Nässe kühlt schnell ab und die Schildkröte aus.

Auch zu trockene Luft kann eine Atemwegserkrankung auslösen. Wenn es deine Schildkröte in ihrem Gehege zwar warm hat, es dort aber sehr trocken ist, gib feuchte Erde hinzu und stelle Pflanzen bereit, die eine hohe Luftfeuchtigkeit erzeugen. An trockener Schleimhaut setzen sich Bakterien und Viren leicht ab. Vermeide diese Gefahr, indem du die Luft und damit auch die Atemwege der Schildkröte feucht hältst.

Wichtige Vitamine wie Vitamin D bilden sich bei der Schildkröte übrigens durch UV-Strahlung. Fehlt die UV-Strahlung, könnte ein Vitaminmangel bestehen, der deine Schildkröte für Krankheitserreger anfälliger macht. Neben Nahrungsaufnahme und Stoffwechsel ist UV-Strahlung auch wichtig für die Bildung des Panzers. Ohne Sonnenstrahlen und hier speziell ohne UV-B-Strahlung wird deine Schildkröte nie ganz gesund sein. Achte daher beim Bau oder Kauf eines Frühbeetes darauf, dass genug Sonne deine Schildkröten erreichen kann.

Da sich eine Erkältung bei Schildkröten leicht in eine Lungenentzündung verwandeln und den Gebrauch von Antibiotika nach sich ziehen kann, solltest du nicht lange überlegen und einen reptilienkundigen Tierarzt aufsuchen.

Was tun bei einer Erkältung?

Oft ist es so, dass Schnupfen nach der Winterstarre auftritt. Da genügen meist eins bis zwei Tage im schönen warmen Frühbeet, damit sich der wechselwarme Langschläfer wieder erholt. Dieses sollte mit einer UV-Lampe versehen werden. So hat es die Schildkröte warm und die Nährstoffe können durch die zusätzlichen UV-Strahlen besser zersetzt und umgewandelt werden.

Griechische Landschildkröte wacht aus Winterstarre auf

Griechische Landschildkröte wacht aus Winterstarre auf

Eine plötzlich auftretende Erkältung jedoch sollte höchstens einen Tag beobachtet werden. Ändert sich trotz Wärme, Feuchtigkeit und Frischluft das Verhalten der Schildkröte nicht, solltest du zeitnah einen schildkrötenkundigen Tierarzt aufsuchen.

Der Tierarzt wird dich nach der Haltung fragen:

  • Futter
  • Gehege
  • Hygiene
  • Artgenossen

So kann er Haltungsfehler erkennen und dem Schildkrötenbesitzer Gegenmaßnahmen vorschlagen. Neben den typischen Symptomen bei Erkältung kann er ebenso das Vorhandensein einer Lungenentzündung prüfen. Dazu wird die Schildkröte so geröntgt, dass die Lungenflügel gut zu sehen sind. Die Strahlen treffen horizontal auf das Vorderteil und geben den Blick auf die Lunge frei. Ist sie mit Sekret belegt, zeigt das Röntgenbild diese Fremdkörper in der Lunge an.

Bestätigt sich die Annahme einer Lungenentzündung, verabreicht der Tierarzt ein Antibiotikum und ein Mittel, das das Immunsystem stärken soll. Oft wird – insofern sich der Schildkrötenbesitzer dazu entschließt – etwas zur Stärkung der Nieren hinzugegeben, da Antibiotika die inneren Organe und insbesondere die Nieren schädigen können.

Damit die Medikamente rasch wirken können, empfiehlt sich ein feuchtwarmer Ruheplatz mit UV-Bestrahlung. Die feuchtwarme Luft beschleunigt den Sekretabfluss und hält die Schleimhäute feucht. Die UV-Bestrahlung sorgt für eine bessere Nährstoff- und Medikamentenaufnahme.

In etwa acht Wochen hat die Schildkröte die Krankheit überstanden.

In der Zwischenzeit erhöhe die Körpertemperatur deiner Schildkröte, indem du sie warm hältst. Ein warmes, sauberes Bad oder eine Rotlichtlampe sind hier sehr nützlich. Außerdem achte darauf, dass du deinen Patienten in Quarantäne steckst. Zum einen braucht eine erkältete Schildkröte Ruhe und zum anderen besteht immerhin erhöhtes Ansteckungsrisiko. Lungenentzündung bei Reptilien ist übrigens für den Menschen nicht gefährlich.

Aktive Landschildkröte

Aktive Landschildkröte

Schon eine artgerechte Haltung kann einem Schnupfen und einer Lungenentzündung vorbeugen. So ersparst du dir den Gang zum Tierarzt und deiner Schildkröte viele Schmerzen.

Titelbild: Kanokratnok, shutterstock.com

über

Ich halte verschiedene Landschildkröten und pflege zwischenzeitlich auch Schildkröten anderer Halter über die Urlaubszeit. Meine Haltung beschränkt sich auf Griechische Landschildkröten und Pantherschildkröten. Auf schildkroete.net berichte ich darüber.

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